Das Oberlandesgericht Rostock  hatte sich in seiner Entscheidung OLG Rostock Az.: 3 W 138/13 mit der Frage zu beschäftigen, ob eine sogenannte Pflichtteilsstrafklausel auch dann eine Wirkung entfalten kann, wenn der Pflichtteilsberechtigte seinen Pflichtteil in Unwissenheit der testamentarisch verfügten Pflichtteilsstrafklausel geltend gemacht hatte.

Eine Pflichtteilstrafklausel ist ein gebräuchliches Gestaltungsinstrument, um bei einer zunächst erfolgten gegenseitigen Erbeinsetzung von Eheleuten, die pflichtteilsberechtigten Kinder welche als Schlusserben eingesetzt werden, von der Geltendmachung eines Pflichtteilsanspruchs nach dem Erstversterbenden abzuhalten.

Sofern ein Kind demnach seinen Pflichtteil nach dem Erstversterbenden Elternteil geltend macht, wird es für den zweiten Erbfall automatisch enterbt und erhält auch hier nur den Pflichtteil.

Das Oberlandesgericht Rostock hat nunmehr in der zitierten Entscheidung geurteilt, dass diese Pflichtteilsstrafklausel zumindest dann keine Wirkung entfaltet, wenn das Kind seinen Pflichtteil nach dem Erstversterbenden Elternteil ohne Kenntnis dieser Klausel im Testament zunächst geltend gemacht hatte, aber später bei Kenntniserlangung von der Klausel den Pflichtteilsanspruch nicht weiterverfolgt.